Spuren im Wald - ein Waldspaziergang der besonderen Art

Was bewegt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dazu, ihre Familien, Freunde und ihre Heimat zu verlassen? Die Gründe sind vielschichtig.

Es kann sein, dass sie aufgrund von Kriegen, bewaffneter Konflikte, wirtschaftlicher Not alleine von ihren Familien nach Europa geschickt werden, dass sie ihre Angehörigen im Krieg oder während der Flucht verloren haben.
 
Sie rennen weg, sie rennen um ihr Leben. Sie sind Kinder, die keine Kinder mehr sein dürfen. Unter großen Entbehrungen, oft lebensbedrohlichen Umständen, mit Erlebnissen, denen kaum ein Erwachsener seelisch Stand halten kann, kommen Sie nach ca. 2 Jahre langer Wanderschaft hilfesuchend in Europa an. Ihre Zukunft ist ungewiss. Bis der Aufenthaltsstatus entschieden ist, leben sie in ständiger Angst vor Abschiebung.
 
Die Stiftung Tragwerk in Kirchheim/Teck dient als eine erste sichere Anlaufstelle und pädagogischer Betreuungsort für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. In Wohngruppen, Jugendwohngemeinschaften oder dem Betreuungsstandort in Lichteneck sind insgesamt 110 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Iran, Nigeria, Somalia, Sudan, Elfenbeinküste, Kamerun, Gambia untergebracht. Pädagogische Fachkräfte kümmern sich um die vor Krieg und Terror geflohenen minderjährigen Flüchtlinge. Die seelischen Wunden und Belastungen, die bei den jungen Menschen durch ständige Angst vor dem Terror, Folterung, Tötung oder auf der langen Flucht hervorgerufen wurden, stellen das Personal der Stiftung Tragwerk vor immense Herausforderungen und man ist dankbar für jede Unterstützung. Viele der Kinder haben ihre Eltern und Geschwister verloren oder leben bis heute in der Ungewissheit, wo sich diese befinden und was mit ihnen geschehen ist.
 
Der Rotary Club Kirchheim-Teck/Nürtingen hat am vergangenen Montag 25 unbegleitete Flüchtlingskinder und deren Betreuer im Rahmen des alljährlichen rotarischen Sommerprogramms zu einem Waldspaziergang der besonderen Art eingeladen. Während der Kreisjägermeister und ehemaligen Büroleiter des Forstamts Kirchheim, Herrn Bernd Budde, die Führung der Erwachsenen übernahm, hat Frau Kathrin Falkenberg, die Jugend-Obfrau der Jägervereinigung Kirchheim, die Gruppe der rotarischen Kinder und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge durch unsere heimische Flora und Fauna geführt. Mittels verschiedenster Präparate von Wildtieren konnte sie für die Kinder und Jugendlichen sehr lebhaft veranschaulichen, welche Tierarten in unseren Wäldern leben und welche Besonderheiten es in der Lebensart gibt. Mit Ihrer einfühlsamen Art ist es Kathrin Falkenberg gelungen, die Kinder und Jugendlichen in eine vollkommen andere Welt zu führen, in eine Welt des Friedens und der Stille. Die Kinder und Jugendlichen haben gelernt, wie das Bett eines Rehes aussieht und wie Wildschweine in Ihren Waldbadewannen baden. Mit ganz viel Eifer und Wissensdurst waren die Kinder und Jugendlichen bei der Sache. Und mit sichtbarem Stolz wiederholten einige der minderjährigen Flüchtlinge am Ende des Waldspazierganges was Ihnen vom Abend im Gedächtnis geblieben war. Das war eine gelungene Ablenkung und Bereicherung für alle!   
 
Bei Grillwurst und Saft und einem friedlichen Miteinander klang der Abend des Sommerprogramms mit fröhlichen Gesichtern aus.   
 
„Rotary Serving Humanity“ - „Rotary steht für Menschlichkeit“   
 
Frau Kathrin Falkenberg und Herrn Bernd Budde gilt unser allerherzlichster Dank. Sie haben uns alle für ein paar Stunden verzaubert.
 
Unabhängig davon, ob die unbegleiteten Jugendlichen nach den Buchstaben des Gesetzes zu Recht oder bei uns sind oder nicht, ob sie also ein Bleibeperspektive haben oder mit Rückführung rechnen müssen, ihnen soll menschlich begegnet werden. „Wir werden versuchen die Jugendlichen mit weiteren Begegnungen aus ihrem Alltag herauszuholen und ihnen -  wenn auch nur für kurze Augenblicke – versuchen Leid und Sorgen zu nehmen und ihre Welt so ein wenig besser machen“ ,  so der derzeitige Präsident des Rotary Clubs Kirchheim/Teck-Nürtingen Hanns Aberle.   
 
Mittlerweile liegt auch schon ein herzliches Dankeschön der Jugendlichen und Betreuer für den wunderschönen Ausflug und die gute Bewirtung vor. Gut gelaunt und fröhlich kamen sie in ihren Häusern wieder an und man fragte, ob man das wiederholen könnte.
 

 

Ein lieber Dank für die Erlaubnis, den Text verwenden zu dürfen an Ruth und Hanns Aberle und für die Fotos an Ulrich Herrmann!

Erstellt am 24.01.2019
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