Zu den Bauernprotesten

Kreisjägermeister German Kälberer hat am Montag, 8. Januar, zur Solidarität aufgerufen.

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Vereinsmitglieder,

als Jäger haben wir täglich mit den Landwirten in unseren Revieren zu tun. Ohne eine partnerschaftliche Zusammenarbeit funktioniert die Jagd in unseren Revieren nicht. Die aktuellen Proteste können uns daher nicht kalt lassen. Auf der Homepage hat unser Landesjagdverband das Statement des Präsidenten des DJV veröffentlicht. Ich denke aber dass wir uns darüber hinaus auch direkt äußern sollten und die Landwirte vor Ort unterstützen. Ich kann die aktuellen Proteste der Bauern gut nachvollziehen und habe vollstes Verständnis dafür, auch wenn es am Montagmorgen lästig war, da durchzukommen. Die Proteste sind legitim, wenn sie über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen, muss und wird das auch entsprechend sanktioniert. Letzteres darf aber nicht das Thema sein oder vom Problem ablenken. 

Wir als Verein und Verband sind parteipolitisch neutral, aber wir haben auch Einblick in die gelebte Realität und können uns daher durchaus dazu äußern. Politische Unterstützungsmaßnahmen – seien es direkte Beihilfen oder Steuererleichterungen – folgen immer einem politischen Zweck. Ob dieser angemessen ist, liegt an der jeweiligen politischen Betrachtung des Gesetzgebers – und das wird bei uns an der Wahlurne festgelegt. Grundsätzlich jedoch, gehören solche Maßnahmen zumindest regelmäßig überprüft und auch korrigiert, wenn der Zweck erreicht oder gar verfehlt wurde. In der Praxis geschieht das leider meist nicht. Die Folgen sieht man dann in fehlgehenden Maßnahmen und vielfacher Steuerverschwendung. Beispiele zu nennen, fällt leider auch im Jagdbereich nicht schwer.

Im Falle der Landwirtschaft bestand und besteht ein breiter Konsens, dass eine Nahrungsmittelproduktion im eigenen Land nicht nur gewünscht, sondern unabdingbar ist. Dies bedeutet gleichzeitig, dass es bei den dabei in Deutschland entstehenden Produktionskosten in Relation zu den erzielbaren Preisen ohne staatliche Hilfen nicht funktionieren kann. Hinzu kommt noch die Forderung nach hohen ökologischen Standards und hohem Tierwohl. Das ist verständlich, muss aber auch finanziert werden. Ganz am Rande ist Landwirtschaft auch keine einfache Arbeit. Daher wurde und wird die Landwirtschaft seit Jahrzehnten, im Übrigen nicht nur in Deutschland, stark staatlich gefördert.

Steuern auf Agrardiesel oder KFZ-Steuer für Zugmaschinen zu erheben, bedeutet eine Steuer auf Produktionsmaschinen zu erheben. Niemand wird eine Produktionsmaschine zum Spaß betreiben, wo liegt denn da der Sinn? Aktuell gibt es zum Dieseltraktor auch keine Alternative. Sowas geht an der Realität vorbei. Wer eine landwirtschaftliche Produktion im Land behalten will, muss sich mit den Betroffenen zusammensetzen und über die erforderlichen Rahmenbedingung reden und diese dann schaffen. Aktionen wie die angekündigten Steuererhebungen sind kontraproduktiv.

 Bedenklich finde ich die extrem unterschiedliche Akzeptanz der Proteste zwischen dem städtischen und ländlichen Raum. Aber das kennen wir leider ja auch bei der Jagd. Auch deshalb verdienen die Bauern unsere Unterstützung und Solidarität.

 

Mit freundlichen Grüßen und Waidmannsheil

German Kälberer