Nachschau: Hauptversammlung 2021

Am Freitag, 15. Oktober, fand die Hauptversammlung der Jägervereinigung Kirchheim in der Weilheimer Limburghalle statt. Die Jagdhornbläsergruppe rahmte die Veranstaltung unter der Leitung von Jutta Doll musikalisch ein.

Erstellt am 04.11.2021

Schon vor der offiziellen Saalöffnung konnten die Jägerinnen und Jäger ihre Trophäen aus nah und fern mitbringen. Pünktlich um 20 Uhr eröffnete Kreisjägermeister German Kälberer die Hauptversammlung. Zu Beginn wurde der Verstorbenen gedacht. Die Jägervereinigung nahm Abschied von Werner Schaufler, Fritz Lude, Helmut Müller und Manfred Schilling.

Kreisjägermeister German Kälberer berichtete über die Herausforderungen der zurückliegenden Monate. Sein besonderer Dank galt dabei den Vorstandskollegen, ohne deren tatkräftige Unterstützung die Arbeit nicht zu machen gewesen wäre.  Als Gastredner entrichteten der Vorsitzende der Grünen Landtagsfraktion in Baden-Württemberg Andreas Schwarz, die CDU-Abgeordnete des Landtags in Baden-Württemberg für den Wahlkreis Kirchheim Dr. Natalie Pfau-Weller, die Leiterin des Kreisforstamtes Esslingen Cordula Samuleit und Jochen Sokolowski, Bezirksjägermeister für den Regierungsbezirk Stuttgart, ihre Grußworte.

German Kälberer kam schnell auf den roten Faden des Abends zu sprechen: Dem Wald geht es schlecht, im Waldumbau werden neue Wege gesucht. Diesen Zustand erläuterte auch Andreas Schwarz: „Die aktuellen Krisen des Waldes sind der Klimawandel und das Artensterben“. Er berief sich auf die Waldstrategie, nach der bis zum Jahr 2050 ein klimastabiler Wald gebaut werden soll. Natalie Pfau-Weller bezeichnete den Waldumbau als eine Jahrhundertaufgabe, bei der die zielorientierte Bejagung einen wichtigen Beitrag leistet.

Mit Blick auf die Leiterin des Kreisforstamtes mahnte German Kälberer, dass das Wild in Anbetracht dieser Problematik nicht hintern runterfallen dürfe. „Auch das ist Naturschutz“, sagte er. Cordula Samuleit wollte wissen, wie viel Wild der Wald vertragen könne, versicherte den Jägerinnen und Jäger aber, dass es ihrer Meinung nur Wald mit Wild geben könne. Sie plädierte dafür, dass Jagd und Forst trotz unterschiedlicher Sichtweisen gemeinsam wirken müssen, um dem Klimawandel entgegentreten zu können. „Es ist zum Heulen, wie unsere Buchenwälder aussehen.“, klagte sie. Neue Risiken sah sie unter anderem darin, dass Baumteile nun jederzeit auf Spaziergänger runterbrechen könnten.

 

Als Mittel der Wahl, um den klimaresistenten Wald möglich zu machen, nannte sie Abschussschwerpunkte und Bewegungsjagden. Auch German Kälberer war der Ansicht, dass die klassische Ansitzjagd vielerorts an ihre Grenzen kommt. Er kritisierte aber, dass die holprige Forstreform von Forst BW im vergangenen Winter dazu geführt hatte, dass ein Großteil der Drückjagden nicht der Corona-Pandemie zum Opfer fielen – sondern dem Personalmangel und den Organisationsproblemen in den Forstrevieren.

 

In Bezug auf die Pandemie führte der Kreisjägermeister aus, dass die Freizeitnutzung im Wald stark zugenommen hat. Er kritisierte das Ansinnen des Landkreises, nun auch noch weitere Sportanlagen und Mountainbike-Trails bauen zu wollen. „Da frage ich mich schon, ob die Zeichen der Zeit verstanden wurden.“, warf er in den Raum. Auch Natalie Pfau-Weller sah die Konflikte: „Die Gräben zwischen den unterschiedlichen Naturnutzern dürfen nicht vertieft werden. Wie sollen wir die Herausforderungen sonst schaffen?“, fragte sie das Publikum. Wie problematisch die massive Naturnutzung ist, sah auch Cordula Samuleit und stimmte der Notwendigkeit der Besucherlenkung zu. Andreas Schwarz riet ebenfalls zur Besucherlenkung: „Wo sind sie? Wo sollen sie nicht sein?“. 

„Der Wald ist nicht nur Lebensraum und Inbegriff für Ruhe und Schönheit, sondern auch ein wichtiger Einsatz im Klimawandel.“, beschrieb er das Konfliktpotenzial. Der Politiker hatte lobende Worte für das Engagement der Jägerinnen und Jäger für den Artenschutz und auch für ihren Einsatz, wie bei dem von den Jägerinnen und Jägern mitiniziierten Rebhuhnprojekt. „Es läuft gut und es ist ein wichtiger Beitrag für den Artenschutz.“, sagte er. Diesem Thema und besonders seinem Herzensprojekt „Allianz fürs Niederwild“ widmete sich auch Jochen Sokolowski. Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass der Feldhasenbesatz steigt und auch darüber, dass Rebhühner angesiedelt werden konnten. Kritik übte er vor allem an der Entwicklung des Maisanbaus: „Das hat nichts mehr mit Biodiversität zu tun“, schimpfte er vor zustimmendem Publikum. Als Alternative schlug der Bezirksjägermeister vor, Energie aus Wildpflanzen zu gewinnen und mehrjährige Wildpflanzenmischungen als Ergänzung zu pflanzen.


Natürlich kam auch die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zur Sprache. Zur Stunde der Hauptversammlung waren knapp 2000 ASP-Fälle in Deutschland bekannt, davon waren etwa 200 Hausschweine betroffen.

Nach den Grußworten der Gastredner übernahm Kreisjägermeister German Kälberer wieder das Rednerpult und begann mit den Ehrungen der Mitglieder. Die Silbernadel für 25 Jahre Mitgliedschaft erhielten: Johann Bernkopf, Siegfried Eberle, Frank Neidert, Jürgen Stümpflen, Martin Raff, Michael Raff, Marcus Schäfer, Lars Schilling, Reinhard Segatz und Andreas Nerbel. Für 40 Jahre Mitgliedschaft erhielten die Goldene Nadel: Heinz Bopp, Kurt Gall, Fritz Häussler, Ulrich Kübler, Jochen Sokolowski, Karl Pommer, Huldenreich Müller, Heinz Uhlmann, Gerda Maier-Stoll, Peter Maier, Hans Martin Reich und Helmut Leuze. Die Ehrung für verdiente langjährige Jagdhornbläser erhielten für 10 Jahre Andreas Bosch, für 20 Jahre Silvia Stark und Ernst Münzenmaier und für 40 Jahre Jochen Sokolowski. Die Münze der Jägervereinigung erhielten Doris Speisser, Klaus Schmitt und Sigrid Bucher. Die besondere Münze der Jägervereinigung erhielten Claudia Reinöhl, Martin Schmelzer, Frank Keller, Gerda Maier-Stoll und Peter Maier. Mit der bronzenen Verdienstnadel des Landesjagdverbandes wurden Suad Babahmetovic und Timo Rehm geehrt, die silberne Verdienstnadel des Landesjagdverbandes erhielten Patrick Schwarz und Dr. Christoph Schüle.

Im Anschluss legte German Kälberer die Veränderungen in der Jägervereinigung dar. Besonders der stetige Anstieg an Mitgliedern freute den Kreisjägermeister. Auch die zahlreichen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen lobte er.

Mit Blick in die Zukunft machte er darauf aufmerksam, dass die Jägervereinigung im Jahr 2023 ihr hundertjähriges Jubiläum feiert. Für mögliche Beiträge könne man sich gerne melden. Er wies außerdem darauf hin, dass das Wildtierportal nicht nur einsatzfähig ist, sondern ab dem kommenden Jagdjahr wohl verpflichtend wird und dass sich die Jagdabgabe von 38,35 € auf 50 € erhöht.

In Bezug auf die Drohnenförderung und Kitzrettung berichtete er, dass aus dem Förderprogramm des Landschaftsministeriums Drohnen für die Kitzrettung und die Jagd allgemein beschafft wurden. Weiterhin sind aktuell je eine Drohne durch die Gemeinden Dettingen und Bissingen beantragt. Voraussichtlich werden damit in der nächsten Saison 6 Drohnen mit ausgebildeten Piloten zur Verfügung stehen.

Auf die Rede des Kreisjägermeisters folgten die Rechenschaftsberichte des Bläserobmanns, des Hundeobmanns, des Schießobmanns, des Biotopobmanns, des Obmanns Junge Jäger und der Obfrau für Lernort Natur.

Bläserobmann Patrick Schwarz berichtete, dass die Proben der Jagdhornbläsergruppe der JV Kirchheim seit Ende Mai wieder möglich sind. Die Jagdhornbläser traten in diesem Jahr zum Geleit verstorbener Jagdkameraden, zur Hochzeit der Bläserkameradin Elena Stark-Schepper und zur Umrahmung der Brauchbarkeitsprüfung auf. Patrick Schwarz dankte besonders Frank Keller für das Probenlokal, Martin Doll für das Präparieren der Wiese, allen Gönnern und Freunden, Jutta Doll für die musikalische Leitung und allen Bläserkameradinnen und Bläserkameraden für die Teilnahme an den Proben und Auftritten.

Hundeobmann Alfred Stark berichtete über den Hundeführerlehrgang 2021. Der Kurs wurde in drei Gruppen aufgeteilt. Sigrid Bucher übernahm den Kurs für die Welpen, Klaus Schmitt lehrte Modul 1 und Alfred Stark Modul 2. Die Brauchbarkeitsprüfung fand am 26. September in den Revieren Dettingen und Owen statt. Das Modul 1 (Brauchbarkeit im Schalenwildrevier) bestanden 6 von 8 Hunden, Modul 2 (Erweiterte Brauchbarkeit) bestanden 2 von 4 Hunden und Modul 5 (Stöberhundeprüfung) bestand 1 von 2 Hunden. Martin Doll  wurde Prüfungssieger mit seiner Teckelhündin Janka. Alfred Stark dankte allen Beteiligten, die den Kurs und die Prüfung möglich machten, sowie Frank Leuze, Sebastian Speisser, Bosch Hundefutter, Frankonia, der Firma Euroshot und Suad Babahmetovic für das Spendend er tollen Preise für die Hundeführer.

Der Schießobmann Marcus Schäfer berichtete, dass mit Blick auf die Gewährleistung eines ständigen Grundbedarfs an jagdlichen Schießmöglichkeiten die Mitnutzung des Schießstands vom Schützenverein Süßen neu initialisiert und die Vereinbarung mit dem Schützenverein Bad Boll verstetigt wurde. Nach den pandemiebedingten Einschränkungen ist der Schießbetrieb auf beiden Anlagen (noch mit entsprechenden Auflagen) im Rahmen der bekannten Nutzungsbedingungen seit ca. Mai 2021 wieder umfassend möglich. Marcus Schäfer gab einen Rückblick über die vergangenen Schießveranstaltungen zur Vorbereitung auf die Drückjagdsaison und einen Ausblick auf die geplanten Schießveranstaltungen im kommenden Jagdjahr.

Biotopobmann Suad Babahmetovic berichtete, dass 150 kg Wildacker-Saatgut-Mischungen bestellt wurden, die mit 50% durch den LJV bezuschusst wurden. Er plant für das kommende Frühjahr außerdem einen Workshop zum Thema „Richtiges Anlegen eines Wildackers“ in der Hoffnung, dass daraufhin mehr Saatgut bestellt wird. Außerdem bewertete er den Hasenbestand als „stabil mit leichtem Wachstum“. Sein besonderer Dank galt allen Jägerinnen und Jägern, die sich die Mühe gemacht haben, die Zählung trotz coronabedingter Schwierigkeiten durchzuführen und zu dokumentieren.

Der Obmann für Junge Jäger, Timo Rehm, gab einen Rückblick auf die Termine der Jahre 2020 und 2021. Dabei standen besonders der jährliche Besuch des Schießkinos in Wallenhausen und die Drückjagd in Weilheim im Fokus.

Gabriele Eichler, die Obfrau für Lernort Natur, berichtete, dass im aktuellen Jagdjahr auf Grund der Pandemie keine Veranstaltungen von Lernort Natur in den Schulen und Kindergärten durchgeführt werden konnten. Sie gab aber einen Rückblick auf einen Waldspaziergang mit 14 Mitgliedern des „Inner Wheel Clubs Neckar-Teck“ am 11. August im Revier Dettingen. Sie dankte dem kompletten Lernort-Natur-Team und allen unterstützenden Jägerinnen und Jägern sowie Revierinhaberinnen und Revierinhabern.

Nach den Rechenschaftsberichten wurde der Vorstand ohne Kassier durch den Bezirksjägermeister Jochen Sokolowski entlastet. Zum Schluss folgte der Kassenbericht durch den stellvertretenden Kassenprüfer Frank Leuze und die Entlastung des Kassiers durch den Kreisjägermeister. 

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